Elektro vs Wasserstoff – Welcher Antrieb wird sich langfristig durchsetzen?

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Haben Sie auch schon die leise summenden Fahrzeuge erlebt, die scheinbar lautlos durch die Stadt gleiten. Ob Tesla, Renault Zoe oder ähnliche Fahrzeuge: Sie könnten die Vorboten eines neuen Zeitalters der Mobilität werden. Mit wesentlich weniger Abgasen aus dem Auto und entweder einem Energiespeicher-Akku oder einer Brennstoff-Zelle, die Strom sozusagen „frisch“ aus Wasserstoff herstellt. im Moment scheint das Rennen klar entschieden, doch noch fehlt der langfristige Praxistest.

Das reine Elektroauto mit Akku hat einen emotionalem Vorsprung von einigen Jahren

Die allgemeine Stimmungslage scheint sich im Moment gegen den Verbrennungsmotor – insbesondere den Dieselantrieb – zu drehen. Eine stetige Verschärfung der Abgasregeln verwirrt uns alle als Verbraucher. Wo befinden wir uns eigentlich: Bei der Euro Norm 4, 5, 6 oder noch weiter? Wird mein Auto schon bald aus allen Innenstädten ausgesperrt ? Drauf gibt es momentan noch keine Antwort. Zudem lassen sich die in den Verkaufsprospekten genannten Verbräuche pro 100 Kilometer nicht nachvollziehen.

Da wird im Elfenbeinturm bzw. im Labor mit Leichtlaufreifen und ähnlichen Spielereien gemessen. Und bei jedem Tanken ist die Enttäuschung groß, dass beispielsweise die 5,2 Liter im Stadtverkehr wieder einmal nicht erreicht wurden. Wäre es nicht toll ein Auto zu haben, was auch von umweltbewussten Menschen begrüßt wird. Die ultimative Lösung scheint das Elektroauto zu sein.

Es scheint abgasfrei und ist leise. Es scheint alle Probleme zu lösen, zudem setzen die Elektroauto-Pioniere auf modernes Marketing und sind zusätzlich schicker als die großen Auto-Konzerne. Deshalb gibt es eine unglaubliche Anfangseuphorie beim Elektroauto.

Video: Elektro-Auto – Warum eigentlich nicht Wasserstoff? #Frage

Die Anfangseuphorie des Elektroautos verfliegt

Inzwischen mehren sich aber die Zweifel an der Alltagstauglichkeit des Elektroautos. Aufladezeiten bei Schnell-Ladung (und Verkürzung der Akkulebensdauer) von 30 Minuten und mehr oder das halbtägige Aufladen an der Steckdose zu Hause führen zu einer Zwangspause so alle 300 bis 500 Kilometer. Wer von Rosenheim nach Hamburg fährt, der müsste also zwei lange Ladestopps einlegen. Anders als beim klassischen Verbrenner geht „Tanken, zahlen und weiter“ nicht mehr.

Die scheinbare Emissionsfreiheit des Elektroautos wird inzwischen auch in Zweifel gezogen: Denn der Strom wird in großen Kraftwerken hergestellt und muss transportiert werden. Zudem hat kein Akku einen Wirkungsgrad von 100 Prozent. Spätestens wenn ein „erster Schwung“ an Elektroautobesitzern neue Akkus kaufen muss (nach 1.000 bis 1.500 Aufladungen – kann schon nach drei Jahren so weit sein), dann wird es Proteste hageln. Inzwischen weist auch der Kult-ElektroautoherstellerTesla auf die Akkulebensdauer hin.

Elektro vs. Wasserstoff: Nur ein scheinbarer Widerspruch mit vielen gemeinsamen Komponenten

In der breiten Diskussion über Wasserstoffauto oder Elektroauto geht oftmals leider ein Detail unter: Jedes Wasserstoffauto ist auch ein Elektroauto. Denn die in das Auto integrtierte Brennstoffzelle stellt aus dem Wasserstoff lediglich Strom her, der das Fahrzeug dann genauso antreibt als wenn es ein Elektroauto mit Akku wäre. Der Unterschied liegt im Wesentlichen dann in der Art und Weise wie der Strom zur Verfügung gestellt wird.

Beim reinen Elektroauto ist es ein Akku, das Wasserstoff-Auto ist verbildlicht gesprochen ein Mini-Kraftwerk. Elektro vs.Wasserstoff bezieht sich deshalb rein auf die Art der Energiespeicherung bzw. Energieherstellung. Elektromotoren an einer oder beiden Achsen oder Rädern können dagegen ähnlich konstruiert werden. Wobei beim „reinen“ Elektroauto der Akku einen erheblichen Raumbedarf hat.

Der Countdown läuft: Steht die Wasserstoffoffensive vor?

Der vor kurzem abgeschlossene Auto-Gipfel von Bundesregierung hat gezeigt wie kompliziert die massenhafte Verbreitung des Elektroautos mit Akku sein wird. Das technologisch nicht lösbare Hauptproblem: Wasserstoff- oder Benzin-Tanken geht in wenigen Minuten, dann wird der Tank- oder Ladeplatz wieder frei. Jedes nachzutankende Auto blockiert den Parkplatz für Stunden. Damit würde auch das Geschäftsmodell von Tankstellen bedroht werden: Einige Minuten tanken und dann Getränke oder Kleinigkeiten im Shop mitnehmen – das geht nicht mehr.

Wenn sich bei Elektro vs. Wasserstoff das Akku-Fahrzeug durchsetzt, dann würden die Halter der Fahrzeuge eher zu Hause oder an der Arbeitsstelle nachtanken. Doch wie Hunderte Ladestellen installieren? Milliardenkosten sind die Folge. Die Bundesregierung lässt die Technologiefrage gezielt offen und spricht etwas abstrakt davon, dass die „Elektromobilität zusammen mit Digitalisierung über die „Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland“ entscheiden würde. Die Frage „Akku“ oder Wasserstoff-Brennstoffzelle werden dann wahrscheinlich die Autofahrer beantworten. Bei Elektro vs Wasserstoff hatim Moment der reine Stromer einen Vorsprung!

Titelbild: © iStock – metamorworks

Über den Autor

Andreas Schröder

Andreas, demnächst 35 Jahre jung, Genießer, mehr oder weniger sportlich, meine Mutter sagt immer: "er macht irgendwas mit Computern", ohne iPhone gehe ich nicht aus dem Haus.

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