Die Kehrseite von Adblockern – Warum sie so gefährlich für YouTube und Co. sind

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Böse Zungen behaupten, es gäbe nur eine Sorte Menschen, die Werbung mögen würde: Das sind die Macher derselben. Auch wenn diese Aussage sicherlich übertrieben ist, steht doch ohne Zweifel fest, dass viele Menschen ein werbefreies Internet bevorzugen – das belegt auch die steigende Zahl der User, die Anzeigen und Pop-ups über eine entsprechende Software blockieren.

Gute Angebote sind nur in seltenen Fällen gratis

Auch wenn es Ausnahmen gibt, so ist doch der überwiegende Teil des Internets heute kommerziell ausgerichtet. Es gibt mit Sicherheit viele privaten Blogs und Homepages, deren Besitzer keinerlei Gewinnstreben aufweisen und die gerne ihre Erfahrungen und Informationen kostenfrei ins Netz stellen.

Doch spätestens die Betreiber der Server, die diesen gratis Webspace und ihre Bandbreite zur Verfügung stellen, möchten zumindest ihre Kosten decken und – falls es sich nicht um gemeinnützige Organisationen handelt – einen soliden Profit erwirtschaften. Dies ist angesichts des harten Konkurrenzkampfes nur über Werbung möglich, denn die Anzahl der zahlenden Nutzer beschränkt sich meistens auf professionelle Teilnehmer, die auch entsprechende Leistungen vom Support bis zum Speicherplatz in Anspruch nehmen.

Alle anderen weichen andernfalls schnell auf die noch kostenlose Konkurrenz aus, bis auch diese unter der zunehmenden Nachfrage und den damit steigenden Kosten auf andere Modelle umsteigt.

Reaktionen von Nutzern auf zu viel Interneterbung

Die unten stehende Statistik stellt die Ergebnisse einer Umfrage aus 2013 dar zu den Reaktionen der Internetnutzer, die sich durch wiederholte Internetwerbung gestört fühlen. Mit 41,3% der Befragten gab die Mehrheit an, in solchen Fällen die Werbung im Browser per AdBlocker zu blocken. Kurz danach mit 40,1% sind die User, die die Werbung ignorieren. Die drei weiteren Reaktionen zeigen auch wie negativ sich Internetwerbung auf den Webshop auswirkt: „Ich vermeide einen Besuch des Webshops“ (28,9%), „Ich werde in dem Webshop kurzfristig nichts einkaufen“ (26,1%), „Ich würde in dem Webshop zukünftig überhaupt nichts einkaufen“ (25,2%).
Dies verdeutlicht die negative Auswirkung von Internetwerbung und auch dass sich heutzutage viele Nutzer so sehr gestört fühlen, dass die meisten AdBlocker benutzen.

 

Es überleben nur die Monopolisten

Ein gutes Beispiel für den Verdrängungskampf in der digitalen Welt ist Google. Der Konzern ist ursprünglich als Suchmaschine in den umkämpften Markt eingestiegen und hat dank seiner neuen Technologie die Konkurrenz nach und nach in die Bedeutungslosigkeit verdrängt.

Altavista, Yahoo, AOL, Ask.com und nicht zuletzt auch Microsoft sind nur wenige Namen auf der Liste derjenigen, die sich im Laufe der Zeit dem Kampf gegen den Giganten stellten. Trotz teilweise hohen Investitionen blieb jeder Versuch erfolglos, eine Alternative zu etablieren oder auch nur einen respektablen Marktanteil für sich zu bewahren.

Einer der Gründe ist, dass die direkten Anzeigen in den Suchergebnissen von keiner Software ausgeblendet werden, denn sie können – anders als bei eingeblendeter Werbung – kaum vom Inhalt einer Webseite unterschieden werden. Langfristig birgt diese Konzentration ein enormes Risiko für alle Internetuser. Eine Infrastruktur, die zentral gesteuert wird, ist nicht nur angreifbar. Sie lässt sich auch leicht manipulieren.

Die Konsequenzen der AdBlocker

Auch die Großen geraten unter Druck

Letztendlich macht der Druck jedoch auch vor den Marktführern nicht halt. Gerade Videos benötigen eine extrem hohe und schnelle Infrastruktur, denn es müssen große Datenmengen in kürzester Zeit Übertragen werden. Mit der steigenden Auflösung, die moderne Hardware möglich macht, steigt diese zudem auch noch exponentiell an. Deshalb gibt es nur wenige Videoportale, die sich langfristig auf dem Markt halten können.
Auch YouTube, das 2006 von Google übernommen wurde, bekommt diese Entwicklung zu spüren. Es hat jedoch den Vorteil, dass sich im Gegensatz zu vielen anderen Wettbewerbern ein mittlerweile breit aufgestelltes Unternehmen Einnahmen aus einer Vielzahl anderer Quellen generiert. Zudem hat Google schnell auf die Entwicklung reagiert und ist anders als viele andere Portale nicht ausschließlich auf Banner und Einblendungen angewiesen. Die technischen Möglichkeiten dazu stehen jedoch nicht vielen Konkurrenten und kaum einem Start-up zur Verfügung.

Ignorieren statt Blocken schafft neue Vielfalt

Unter der zunehmenden Verbreitung von Adblockern leiden zunächst einmal alle Anbieter. Es sind jedoch zuerst die kleinen Unternehmen, die unter dem steigenden Konkurrenzkampf auf der Strecke bleiben und ihre Dienste einstellen. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Betrieb auch für große Konzerne nicht mehr rentiert und ab diesem Zeitpunkt ist der Übergang zu bezahlten Premium-Diensten kaum noch aufzuhalten.

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Über den Autor

Andreas Schröder

Andreas, demnächst 35 Jahre jung, Genießer, mehr oder weniger sportlich, meine Mutter sagt immer: "er macht irgendwas mit Computern", ohne iPhone gehe ich nicht aus dem Haus.

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