Das Darknet: Wie gefährlich ist es wirklich?

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Das Darknet kommt in den letzten Monaten immer wieder in die Diskussion: Nach einem Amoklauf oder einem Anschlag wird festgestellt, dass sich der Täter die Waffe illegal im Internet beschafft hätte. Oder bei Gesundheitsschäden von Heranwachsenden wird berichtet, dass diese sich Alkohol, Tabak oder auch legale Drogen dort besorgt hätten. Fast scheint es so, dass es ein Hort des Bösen wäre. Deshalb werden immer wieder Forderungen nach der vollständigen Überwachung des Internets laut. Ist diese dunkle Seite des Netzes also wirklich Teufelszeug oder handelt es sich um Übertreibungen.

Nachahmung des Prinzips des illegalen Schwarzmarktes

Der Verkauf von Waffen oder Substanzen, die knapp gerade noch nicht zu den illegalen Drohen gehören, ist nichts Neues: Insbesondere nach den Bürgerkriegen in ehemaligen Ostblockstaaten und in Zeiten des Verlustes staatlicher Autorität blüht der Schwarzmarkt mit allerlei illegalen Kriegswaffen beginnend bei kleineren Pistolen bis hin zu halb automatischen Waffen. Natürlich werden diese nicht auf offener Straße und nicht wie legale Waffen im Waffenhandel nach Vorlage einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenscheins verkauft.

Stattdessen führen Vermittler und andere Zwischenstationen Kaufinteressenten und Verkäufer in dunklen Hinterzimmern oder Kneipen zusammen. Dieses „offline“ Prinzip überträgt der schwarze Teil des Internets auf die Online Welt: Käufer und Verkäufer benutzen Verschlüsselungstechnologien, damit die Kommunikation nicht mitgelesen werden kann.

Video: Unterwegs im Darknet

Hauptgefahren Anzahlungsbetrug und fehlende Gewährleistung

Auch wenn sich der Kauf von Waffen dramatisch anhört, so ist er in der offline Welt viel häufiger anzutreffen. Die wirklichen Gefahren im Darknet sollten allerdings jeden Kunden, der einigermaßen bei klarem Verstand ist, von einem Kauf bei einem Unbekannten abhalten: Im schlimmsten Fall hat er weder ein gültiges Bankkonto auf der Gegenseite noch auf sonstige Art verifizierbare Informationen zu seinem Vertragspartner.

Ein Verkäufer mit schlechten Absichten kann also zig Laptops oder Smartphones verkaufen ohne jemals zu liefern. Dann wird der Anzahlungsbetrug sehr schnell Realität. Oder er lehnt Reparaturen einfach dadurch ab, dass er weder telefonisch noch auf sonstige Art und Weise erreichbar ist.

Die dunkle Seite des Internets wird aber erst dann wirklich gefährlich, wenn Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen werden:

  • Bei einer Bezahlung per anonymer Paysafe Card kann das Geld unwiderruflich verloren sein. Gegenmaßnahme: Ein echtes Bankkonto benutzen oder die Zahlungs per PayPal leisten
  • Bargeldversand in ferne Länder: Dies kann ein weiteres Indiz sein, dass gar kein echter Verkauf stattfinden soll und lediglich einseitiges Interesse am „Abgreifen“ von Bargekd besteht.

Wachsamkeit und Adlerauge sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen

Wer dennoch bei einem vollkommen unbekannten Anbieter einkaufen möchte, der kann dies natürlich tun. Mit ein bisschen Wachsamkeit und einem Adlerauge lassen sich – wie bei allen anderen Einkäufen auch – die Risiken nachhaltig reduzieren. Achten Sie bei einer Mail auf die Übereinstimmung zwischen angegebenem Ort und Absendeadresse: In der Kopfzeile der E-Mail lassen sich Absender IP-Adressen finden.

Eine kurze Suche bei einer Suchmaschine nach dem Lokalisieren von IP-Adressen gibt Ihnen einen ersten Hinweis. Wenn Sie eine Mail aus Deutschland erwarten und diese in Wirklichkeit aus Afrika oder Rumänien kommt, dann sollten Sie kritisch sein.

Wenn Sie wirklich dort einkaufen, dann wählen Sie die klassische Banküberweisung oder auch PayPal: Beides wird von echten Kriminellen nicht geschätzt, da die Zahlung eine „Papierspur“ hinterlässt, die zum Täter führen kann.

Selbstverantwortung und Freiheit stehen immer noch im Vordergrund

Immer wenn eine illegale Transaktion im dunklen Netz auffliegt, dann werden verschiedene Forderungen nach Verbot der Verschlüsselung bis hin zu einer Vollkontrolle des Staates im Internet laut. Allerdings sind die Risiken einer Vollüberwachung insbesondere in totalitären Staaten nicht zu unterschätzen.

Deshalb ist es auf lange Sicht wohl gesellschaftlich sinnvoller, wenn das anonyme und verschlüsselte Surfen erhalten bleibt. Jedenfalls ist das Verschicken von Personalausweiskopien zur Verifizierung der Identität der Geschäftspartner keine Alternative: Für deutsche Personalausweise gilt immer noch das gesetzliche Verbot des Kopierens. Deshalb müssen die Nutzer auf sich selbst aufpassen und Selbstverantwortung als Gegenpol zur demokratisch garantierten Freiheit übernehmen.

Titelbild: © istock.com – stevanovicigor

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Über den Autor

Andreas Schröder

Andreas, demnächst 35 Jahre jung, Genießer, mehr oder weniger sportlich, meine Mutter sagt immer: "er macht irgendwas mit Computern", ohne iPhone gehe ich nicht aus dem Haus.

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